Freitag, 21. Dezember 2012

Apokalypse

"Heute ist Weltuntergang", sagt die Ukulele.
"Überübermorgen ist Heiligabend", sage ich, "Was soll die Scheiße."
"Kann man nix machen."

Das Haus wackelt.
"Erdbeben Nummero eins", sage ich
 Es dauert nur eine Minute. Ungefähr. Zwei Vasen sind zu Bruch gegangen. Ich wusste garnicht, dass ich Vasen im Haus habe...
Es bebt nochmal. Diesmal etwas stärker. Ein Schrank fällt um. Inklusive Inhalt natürlich. Auf dem Boden liegen kreuz und quer verteilt zerbrochenes Geschirr, Besteck und ein paar Bücher. Ah, die Judenbuche. Um die ist es nicht Schade. Ich werfe das dünne Buch in das Feuer, das durch den umgefallenen Adventkranz entstanden ist. Eine angenehme Wärme erfüllt den Raum. Würde nicht auch die Couch anfangen zu brennen, wäre es echt gemütlich.

"Mir wird heiß", sagt die Ukulele.
"Kannst du eigentlich brennen?", frage ich.
Die Ukulele deutet auf ihren Hals. Er brennt.
"Oh", sage ich und schütte etwas Champagner auf sie. Den hab ich extra zu Weltuntergang gekauft. Verschwendung mit sowas brennende Instrumente zu löschen.

Ein neues Erdbeben reißt mich aus meinen Gedanken. Ich laufe schnell aus dem Haus. Das war eine gute Idee, denn das Haus fällt in sich zusammen. Es war aber auch eine schlechte Idee, denn der Baum hinter mir fällt ebenfalls. Und zwar auf mich.

Langsam öffne ich die Augen. Bäume sind härter als ich es mir vorgestellt habe. Platsch. Die Ukulele hat mir einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet.
"Danke", sage ich, "das habe ich gebraucht."
"Bitte. Komm, wir müssen weiter."
Ich schaue hinunter in die Stadt. Das ist wunderbar möglich. Denn es stehen keine Häuser mehr, die den Blick einschränken könnten. Das Bild, das sich mir bietet, ist atemberaubend. Der Fluss ist über die Ufer getrehten. Nicht nur ein bisschen. Ein gigantischer Fluss rauscht zwischen den beiden Hügelketten entlang. Das macht aber nichts. Denn da, wo früher die Altstadt war, ist jetzt ein gigantischer Graben. Da fließt zum einen der Fluss hinein, zum anderen aber vor allem Lava heraus, sodass der Fluss, vor dem Eintritt in die Spalte größtenteils verdampft.

"Oha", sage ich, "Nicht schlecht. Und wie haste das jetzt angestellt?"
"Och, war nich so schwer."
"Ein Problem gibts aber noch", sage ich, "Neben der Tatsache, dass grade Milliarden von Menschen sterben, die Welt, wie wir sie kennen, nicht mehr existiert und wir hier schwer verletzt rumliegen."
"So? Was denn?", fragt die Ukulele.
"Du hast immer noch kein Weihnachtsgeschenk für mich"
"Du aber auch nicht für mich", sagt die Ukulele. Sie hat Recht...

1 Kommentar:

  1. Gedanken beim Lesen:
    Jaja, die stodterer... da geht grad die Welt unter, hier nicht...
    Dann: Achsoo, nur ein Traum...
    Und dann:
    Jaja, die stodterer... da geht grad die Welt unter, hier nicht...

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