Ich
habe die Ukulele nicht an meinen Vormieter weitergegeben. Erstens weiß
ich gar nicht wo ich den finde und zweitens hat sich die Ukulele bei mir ganz gut eingelebt. Und ich hab mich auch ganz gut mit ihr
abgefunden. Den größten Teil des Tages bin ich sowieso
außer Hause. Meine Alkoholvorräte sind inzwischen leider
ziemlich aufgebraucht und die zuvor noch existierende Restordnung
wurde in ein totales Chaos verwandelt.
„Also
daran bist du jetzt aber wirklich selber Schuld! Du hättest ja
mal die leeren Flaschen wegbringen können.“
„Ne“, sage ich, „bring deinen Dreck mal schön selber raus!“
„Ne“, sage ich, „bring deinen Dreck mal schön selber raus!“
Nachdem
ich einen halben Tag lang die Wohnung geputzt habe, sieht es
eigentlich wieder recht ordentlich aus. Ich habe allerdings das
Gefühl, mehr Flaschen raus getragen zu haben, als ich je in
meinem Leben gekauft habe. Es sieht fast so aus als hätte die
Ukulele den halben Weinkeller meines Nachbarn geplündert.
„Hab
ich gar nicht. Des war höchstens ein Drittel. Und überhaupt,
was will der denn damit. Der ist doch sowieso die ganze Zeit bei
irgendwelchen Mittelalter-Rollenspielen.“
Ich muss ihm Recht geben. LARP hat's meinem Nachbarn tatsächlich ganz schön angetan
Ich muss ihm Recht geben. LARP hat's meinem Nachbarn tatsächlich ganz schön angetan
Es
klingelt.
Meine
Nachbar steht in voller Montur vor meiner Tür. Die Rüstung
sieht frisch poliert aus und auch das Schwert, das er in der rechten
Hand hält, sieht aus wie neu.
„Na,
haben sie heut auch alles auf Vordermann gebracht?“, frage ich.
Irgendwie muss man diesen Barbaren doch beruhigen können.
„Ham
sie mir mein' ganzen Wein weggsuffa?“
„Nein“, sage ich eiskalt.
„Und wos is dann des?“, fragt er und deutet mit seinem gepanzerten Finger auf die Tüte mit Weinflaschen in meiner Hand.
„Ich kann mich nur wiederholen“, sage ich, „ich habe ihren Wein nicht getrunken.“
„Nein“, sage ich eiskalt.
„Und wos is dann des?“, fragt er und deutet mit seinem gepanzerten Finger auf die Tüte mit Weinflaschen in meiner Hand.
„Ich kann mich nur wiederholen“, sage ich, „ich habe ihren Wein nicht getrunken.“
Die
Ukulele kommt aus meinem Wohnzimmer. Ihr ursprüngliches braun
hat sich an einigen stellen leicht rötlich verfärbt.
Rotweinflechen, denke ich, die krieg ich ja nie wieder raus.
„Jetzt
hören Sie mir mal zu, mein lieber Glücksritter“, sagt die
Ukulele in einem hoch offiziellen Ton, „Diese Weine haben zum Teil
mehrere Jahrzehnte überdauert. Ein Verzehr ist deshalb nicht zu
verantworten. Aus diesem Anlass mussten wir sie leider entsorgen. Sie
können froh sein, dass wir sie nicht angezeigt haben.“
Der
Mund des glänzenden Monsters vor mir ist leicht geöffnet,
so als ob es etwas sagen wollen würde. Die Augen starren auf die
Ukulele. Ich frage mich ob mein Nachbar so schaut, weil er eine
sprechende Ukulele vor sich hat, oder weil er dieselbe nicht
verstanden hat.
„Saupreißn...“,
murmelt er, dreht sich um und geht.
„Gut
gemacht!“, lobe ich die Ukulele, „Wie sprichst du eigentlich, du
hast doch gar keinen Mund?“
„Ach, lass das mal meine Sorge sein“
„Ach, lass das mal meine Sorge sein“
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