Donnerstag, 29. November 2012

Protest

Ich hab Dir ne Wanze untergeschmuggelt.“
Was?“, frage ich leicht erstaunt.
Na, damit ich dich abhören kann.“
Achso“, sage ich, „Klar. WARUM WILLST DU MICH ABHÖREN?“
Jetzt schrei doch nicht so“, sagt die Ukulele, „Ich hab mir halt gedacht, das wäre ganz interessant.“
Sag mal, geht’s noch? Das sind ja hier Verhältnisse wie bei der DDR!“, sage ich, „Wie bei der Stasi!“

Na und? Die DDR war ein ganz normales Land.“
Ja genau, ganz normal, schön mit totalitärem System und viel Überwachung.“
Genau“, sagt die Ukulele, „Wie es halt jetzt auch ist.“
Wie?“,frage ich leicht erstaunt. Ich muss mich langsam an die spezielle Denkweise der Ukulele gewöhnen.
 „Na, zum Beispiel die StVO?“
Was?“, frage ich leicht erstaunt. Ich muss mich langsam an die spezielle Denkweise der Ukulele... ach was soll's.
Sag mal, hörst du irgendwie schlecht? Es Te Vau Oh“, buchstabiert die Ukulele nochmal ganz langsam, „Der Inbegriff der Diktatur“
Bitte?“, frage ich leicht erstaunt. Ich muss mich echt... Ist ja auch egal.
 „Na, schaus dir doch mal an. Rechts vor links. Und bei rot muss man stehn.“
Ja, aber fahren darfste bei grün“
Ähh, ja genau. Des is nur ganz kurz zu sehen. Man soll sozusagen davor fliehen.“
Und gelb?“
Also das is doch klar. Gelb ist nicht stehen und nicht fahren. Gelb ist sinnlos.“
Das klingt allerdings logisch.“, sage ich.

An diese diktatorischen Zwänge kann und werde ich mich nicht halten. Das verbietet mir mein Gewissen!“
Ach deshalb hast du keinen Führerschein.“
Ne.“
Wieso dann?“
Zu klein“
Och du ärmster. Sag mal, wie sind wir eigentlich auf dieses Thema gekommen? Ich weiß nur noch, dass ich mich über irgendwas tierisch aufgeregt habe.“
Ich weiß auch nicht“, sagt die Ukulele und verlässt grinsend das Zimmer. Irgendwas sagt mir, dass sie mich gerade angelogen hat.

Sonntag, 25. November 2012

Zoff

Auf Ex!“, sagt die Ukulele zum gefühlten 17. mal in einer Sekunde und lehrt ihr Glas. Ich frage mich ob sie bemerkt hat, dass ich sämtliche leeren Wodka-Flaschen einfach mit Wasser aufgefüllt habe.
Anscheinend nicht.
Vielleicht ist sie ja doch nicht so schlau wie sie imme
He, gib meinen Stift her!“, sage ich und schreibe gleichze
gleichzeitig mit einem inzwischen dritten Stift weit
„Nö“, sagt die Ukulele und hält ihre drei Geißeln hoch.
„Du hast Wasser in die ganzen Flaschen rein!“ Erst hab ich gedacht, damit gehts vielleicht auch. Aber Wasser haut halt einfach nich richtig rein“, sagt die U
Erstmal will ich meine 4 Stifte wieder“, sage ich, „Soviel hab ich jetzt auch nicht mehr auf Lager.“
Wie viele denn noch?“
73“
72“, jubelt die Ukulele.
„Wenn du so weitermachst kriegste nie wieder Alkohol!“
Wenn DU so weitermachst, 71, schreibst d nie wieder auf was ich so mache.“, sagt die Ukulele, „70!“
Ich hab jetzt da echt keinen Bock mehr drauf“, sage ich und schreibe am Computer weiter.
Das wird dir nicht viel bringen.“, ruft die Ukulele, nimmt Anlauf und springt auf die Tastatfgnrliuwhfalinainuvim9wdpuw9ptnevnm33zudnkiuztrew3asxcvgr56zhnmko98uztr43wesdxcvbhjzgbnmkoiujhjkchgxbynmajkchkjLUHDJLcnj4mlwow8fmvöoimn2j,n vö0vsdnbvkhvmoldfvoidsmvsc,mnviumrsoöfkwj74ö-.sdoöfgosjfuokcgpuhjewxä084jmckjba2lkmbdcnlv+mnvsloif´gv,mrfvbkn

Jetzt reichts“, sage ich, nachdem ich die Ukulele wieder entfernt habe.

Die Ukulele geht aus dem Zimmer. Ich weiß nicht was ich schreiben soll, wenn sie nicht da ist. Ich sitze vor dem Computer und schreibe. Die Ukulele schleicht sich hinter mir vorbei. Interessant, sage ich mir, ein allwissender Erzähler. Ohne dass ich es bemerke erreicht die Ukulele die Steckdose. Ich schreibe Ahnungslos weiter. Völlig unbekümmert sitze ich da und tippe, während die Ukulele den Stecker aus der Steckd

Dienstag, 20. November 2012

Prost

Ich habe die Ukulele nicht an meinen Vormieter weitergegeben. Erstens weiß ich gar nicht wo ich den finde und zweitens hat sich die Ukulele bei mir ganz gut eingelebt. Und ich hab mich auch ganz gut mit ihr abgefunden. Den größten Teil des Tages bin ich sowieso außer Hause. Meine Alkoholvorräte sind inzwischen leider ziemlich aufgebraucht und die zuvor noch existierende Restordnung wurde in ein totales Chaos verwandelt.
Also daran bist du jetzt aber wirklich selber Schuld! Du hättest ja mal die leeren Flaschen wegbringen können.“
„Ne“, sage ich, „bring deinen Dreck mal schön selber raus!“

Nachdem ich einen halben Tag lang die Wohnung geputzt habe, sieht es eigentlich wieder recht ordentlich aus. Ich habe allerdings das Gefühl, mehr Flaschen raus getragen zu haben, als ich je in meinem Leben gekauft habe. Es sieht fast so aus als hätte die Ukulele den halben Weinkeller meines Nachbarn geplündert.

Hab ich gar nicht. Des war höchstens ein Drittel. Und überhaupt, was will der denn damit. Der ist doch sowieso die ganze Zeit bei irgendwelchen Mittelalter-Rollenspielen.“
Ich muss ihm Recht geben. LARP hat's meinem Nachbarn tatsächlich ganz schön angetan

Es klingelt.
Meine Nachbar steht in voller Montur vor meiner Tür. Die Rüstung sieht frisch poliert aus und auch das Schwert, das er in der rechten Hand hält, sieht aus wie neu.
Na, haben sie heut auch alles auf Vordermann gebracht?“, frage ich. Irgendwie muss man diesen Barbaren doch beruhigen können.
 
„Ham sie mir mein' ganzen Wein weggsuffa?“
„Nein“, sage ich eiskalt.
„Und wos is dann des?“, fragt er und deutet mit seinem gepanzerten Finger auf die Tüte mit Weinflaschen in meiner Hand.
„Ich kann mich nur wiederholen“, sage ich, „ich habe ihren Wein nicht getrunken.“
Die Ukulele kommt aus meinem Wohnzimmer. Ihr ursprüngliches braun hat sich an einigen stellen leicht rötlich verfärbt. Rotweinflechen, denke ich, die krieg ich ja nie wieder raus.

Jetzt hören Sie mir mal zu, mein lieber Glücksritter“, sagt die Ukulele in einem hoch offiziellen Ton, „Diese Weine haben zum Teil mehrere Jahrzehnte überdauert. Ein Verzehr ist deshalb nicht zu verantworten. Aus diesem Anlass mussten wir sie leider entsorgen. Sie können froh sein, dass wir sie nicht angezeigt haben.“

Der Mund des glänzenden Monsters vor mir ist leicht geöffnet, so als ob es etwas sagen wollen würde. Die Augen starren auf die Ukulele. Ich frage mich ob mein Nachbar so schaut, weil er eine sprechende Ukulele vor sich hat, oder weil er dieselbe nicht verstanden hat.
Saupreißn...“, murmelt er, dreht sich um und geht.
Gut gemacht!“, lobe ich die Ukulele, „Wie sprichst du eigentlich, du hast doch gar keinen Mund?“
„Ach, lass das mal meine Sorge sein“

Sie haben Post!

Giddn Dach, isch hädd'n kleenes Päckschn für Sie.“
Öh, des is aba rüschtsch nedd vön ihn' “, antworte ich dem Paketzusteller aus dem sehr nahen Osten in seinem Heimatdialekt, „Dann gäbmse döch ma hea.“
Er drückt mir das kleine, notdürftig zugeklebte Paket in die Hand. Nach der ihm obligatorisch geleisteten Unterschrift schließe ich sofort die Tür.Bestellt habe ich nichts und Briefbomben oder Morddrohungen erwarte ich eigentlich auch nicht.

Auf dem Adressaufkleber steht undeutlich der Name meines Vormieters. Ich weiß nicht viel von ihm, habe nur gehört, dass er wohl verrückt geworden ist. Man behauptet er habe mit allen möglichen Gegenständen gesprochen. Bevorzugt mit Musikinstrumenten.
Oh, eine kleine Gitarre!“
Ich freue mich, denn ich mag Saiteninstrumente. Die kann man wunderbar auf Bühnen zerschlagen.

„Also, erstens bin ich eine Ukulele, und zweitens mag ich es gar nicht, eingepackt zu sein!“, sagt die kleine Gitarre.
„Äh, aber Gitarren können doch gar nicht sprechen“, staune ich.
„Würdest du mich jetzt bitte hier raus holen?“
Ich hebe die Ukulele aus der Karton. Schnurstracks geht sie in die Küche.
A-aber, Ukulelen können doch gar nicht..“
Sie öffnet den Kühlschrank und holt sich einen Energydring, der angeblich Flügel verleihen soll, heraus. Es ist mein letztes.

Hey, das ist mein letztes Redbull!“, sage ich um meine Gedanken auch meinem Gast mitzuteilen.
„Das macht nichts. Haste Vodka da?“
Ich reiche der Ukulele eine Flasche und beobachte sie dabei wie sie sich einen Vodka-RedBull mischt, der jedoch zum größten Teil aus Vodka besteht. Wie macht sie das, ohne Hände? Ich bin leicht verwirrt.
 

„Was schauste denn so belämmert?“, fragt die Ukulele, 
Das musst du dir abgewöhnen, wenn ich hier wohnen soll!“