Sonntag, 6. Januar 2013

Mampfred

Der Tiger hat die Bar unten am Eck übernommen. Sie heißt jetzt Unten am Eck.
"Sehr einfallsreicher Name", sagt die Ukulele.
"Wie hätte er sie denn sonst nennen sollen?", frage ich, "Oben an der Rundung?"
"Das klänge zumindest ein bisschen phantasiereicher gewesen."
Die Ukulele öffnet die Tür. "Tritt ein."

Ich trete ein. An einem langen alten aber edlen Tresen sitzen viele alte aber edle Männer. Zumindest säßen sie dort, wenn man ein wenig Rücksicht auf die Richtigkeit meiner Stilmittel genommen hätte. In Wirklichkeit sitzen dort arme, alte, asoziale Alteingesessene. Juhu, noch ein Stilmittel.
Wir gehen an den Tresen.

"Juten Morjen", sagt der Barkeeper, oder wie auch immer man ihn nennen mag. Er trägt ein seinem Körperumfang gerade noch ausreichendes, zerrissenes und ehemals weißes Unterhemd. Zigarrenstummel im Mund, Vollglatze und Dreitagebart im Gesicht runden das Buld ab.
"Bisschen zu spät für guten Morgen", sagt die Ukulele.
Bei genauerer Betrachtung befindet sich auch etwas Dreitagebart auf dem Kopf.

"Egal watt für ne Zeit ett is, ett is immer zu spät", sagt der Mann hinterm Tresen,
"Ick bin Mampfred"
"Mampfred?", frage ich.
"Mampfred?", fragt die Ukulele
"Weil ich wenn ick mampf ooch red, heißn manche mir Mampfred", sagt Mampfred.
"Ach was", sage ich
"Ick komme aus Berlin"
"Is nich wahr", sagt die Ukulele.
"Watt soll dat denn wieder heißn?"
"Mit soner Art kann man ja nur ausm Norden kommen"
"Och noch frech werdn oder watt!"
"Selig, die Gewaltlosen: Sie werden das Land erben", versuche ich den Streit zu schlichten. Es funktioniert nicht.
"Du könntest dich ja wenigstens mal waschen", schimpft die Ukulele.

"Ick bin befleckter als Mutter Maria, aber immer schlecht rasiert", sagt Mampfred.

Die Ukulele muss lachen. Mampfred tut es ihr gleich, auch wenn er nicht wirklich weiß,  wieso die Ukulele lacht. Das bringt mich zum lachen.

ZEITSPRUNG


Wir verlassen Unten am Eck mäßig bis stark angeheitert und lachend.
"Außer Tresen, nix gewesen", sagt die Ukulele.

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